Lexikon

Es gibt in der Sprache der Studentenverbindungen eine Vielzahl von Begriffen, die der Erklärung bedürfen. Viele entstammen der lateinischen Sprache und sind uns heute nicht mehr geläufig. Von daher findest Du hier für viele Begriffe, die auf unserer Homepage vorkommen, eine kurze Erläuterung.

 

Die Erklärungen zu den Begriffen werden per “mouse-over” eingeblendet.

A

  • ad loca (lat.: zum Ort) Anweisung, Platz zu nehmen
  • ad ultimo lat.: (bis) zum Letzten, meist in Verbindung mit dem Singen eines Kantus, diesen bis zur letzten Strophe zu singen
  • AH, AHAH Abkürzung für Alter Herr, der Plural von AH wird mit AHAH bezeichnet.
  • Aktiver studierendes, vollberechtigtes und vollverpflichtetes Mitglied einer Studentenverbindung
  • Aktivitas Studierende Mitglieder einer Korporation/Studentenverbindung. Dazu zählen:
    Füxe
    Burschen
    inaktive Burschen, also alle Mitglieder, die ihr Studium noch nicht beendet haben.
    Die Aktivitas prägt als tragende Säule der Verbindung deren Leben, Programm und äußeres Erscheinungsbild. Sie ist demokratisch aufgebaut (Convente) und wird durch die Chargierten geleitet.
  • Alter Herr Mitglied einer Studentenverbindung nach Abschluß des Studiums. Früher auch Philister genannt. Erst ab ca. 1860 kam die Bezeichnung Alter Herr auf, um der damaligen spießbürgerlichen Nebenbedeutung des Begriffes Philister die Würde des Alters entgegenzusetzen. Die Alten Herren tragen zum Verbindungsleben im wesentlichen als fördernde und beratende Mitglieder bei und sorgen für die Kontinuität des Verbindungsgedanken.

B

  • Band Schmale Schärpe in den Verbindungsfarben, wird als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit zu einer farbentragenden Verbindung getragen (über die rechte Schulter zur linken Hüfte, zum Smoking auch horizontal in Höhe der Brust). Bestandteil des Couleurs. Symbolisiert das Eintreten für die Prinzipien der Verbindung und das “Freundschaftsband”, das alle Gleichgesinnten umschlingt. Füxe haben im Unterschied zu Burschen ein in der Regel nur zweifarbiges Band (zweistreifig oder dreistreifig mit Wiederholung einer Farbe).
  • BbrBbr Abkürzung für Bundesbrüder
  • Bierfamilie siehe Leibbursche
  • Biername siehe Couleurname
  • Bierorgel Klavier
  • Biervater siehe Leibbursche
  • Bierzipfel Breite Form des Zipfels, siehe auch Leibbursche
  • Bundesbruder Die Mitglieder einer Studentenverbindung untereinander sind sogenannte Bundesbrüder
  • Bursche Vollberechtigtes Mitglied einer Verbindung im Gegensatz zum Fux. Nach der Fuxenzeit wird ein Mitglied durch eine feierliche Zeremonie (Burschung) unter Ableistung eines Burscheneides zum vollberechtigten Mitglied erklärt.

C

  • Cantus (lat.: Lied) Bezeichnung für die auf Kneipen gesungenen Lieder
  • Cerevis Ein Prunktönnchen, Teil eines Vollwichs
  • Charge/Chargierte/Chargieren Die Charge (frz.: Bürde eines Amtes) ist ein “Vorstandsamt” in einer Verbindung. Anzahl (2-4) und Bezeichnungen sind je nach Art der Verbindung unterschiedlich. Es gibt:
    Erstchargierter/Sprecher/Senior als “Vorstandsvorsitzender” als höchster Repräsentant einer Verbindung mit Richtlinienkompetenz bei der Gestaltung des Bundeslebens. Er leitet auch Kneipen und Kommerse. Desweiteren:
    Zweitchargierter, Drittchargierter, bzw. Schriftführer/Consenior/Fechtwart/Kassier, Fuxmajor.
    Als Amtskürzel werden Kreuze gebraucht, x für Senior,…bzw. FM Für Fuxmajor. Jedes Semester werden die Chargen durch den Convent neu besetzt. Der Amtsinhaber einer Charge wird als Chargierter bezeichnet. Als Chargieren wird das Auftreten von (meist) drei Mitgliedern (oder mehr) einer Verbindung zu besonderen feierlichen Veranstaltungen im Vollwichs bezeichnet. Die Chargierten stellen auch das Präsidium einer Kneipe oder eines Kommerses.
  • Comment(frz. “wie”) Regularium und Glossar für bestimmte Formen des studentischen Brauchtums und Gemeinschaftslebens. Früher streng normativ, heute eher deskriptiv. Es gibt den allgemeinen deutschen Biercomment als Kneipcomment, sowie Couleurcomment, Fechtcomment etc.
  • Convent Beratendes und beschlussfassendes Organ einer Verbindung als Ausdruck des demokratischen Prinzips. Je nach Kreis der stimmberechtigten Mitglieder unterscheidet man verschiedene Convente (Allgemeiner Convent, Burschenconvent, Altherrenconvent, Cumulativconvent). Tagt mehrmals im Semester, also deutlich häufiger als Mitgliederversammlung eines normalen Vereins. Ebenfalls Bezeichnung für die Zusammenkunft der Vertreter aller Verbindungen eines Dachverbandes, daher taucht diese Bezeichnung in den Namen einiger Verbände auf.
  • Corona Teilnehmerkreis, gesellige Runde. So werden die Teilnehmer einer Kneipe außerhalb des Präsidiums bezeichnet.
  • Couleur Die Farben einer Verbindung, die als äußeres Zeichen derselben von ihren Mitgliedern getragen werden. Bestandteile sind Zipfel, Verbindungs- und Verbandsnadel, Band und Mütze. In der Regel bedeutet Vollcouleur Anzug und Couleur, Halbcouleur nur Band und Zipfel ohne Anzug. Im weiteren Sinne ist auch die Couleur des Bundes darunter zu verstehen (Fahne, Banner, Vollwichs,…) “Couleur” taucht aber noch in vielen anderen Begriffen auf, die sich auf das Verbindungsstudententum an sich beziehen. Couleurgegenstände: Alles, wo die Farben oder das Wappen des Bundes auftauchen (z. B. Couleurgläser)
  • Couleurdame Bei einem Bund offiziell annoncierte Dame, die regelmäßig zu Veranstaltungen eingeladen wird.
  • Couleurname(auch Biername) Interner Name eines Mitgliedes, entstanden in Zeiten, in denen Verbindungen verboten waren.

F

  • Farbenbruder Die Mitglieder vieler farbentragender Verbände nennen Angehörige anderer Verbände Farbenbruder.
  • Farbentragen Das Tragen von Band und Mütze in den Verbindungsfarben wird als Farbentragen bezeichnet. Von vielen wird bereits das Tragen von Band darunter verstanden.
  • Fiducit “Vertraue darauf! Es gelte!” vom lat. “Fiducia sit!”; Erwiderung auf den Zuruf “Schmollis!”
  • Fidulität Vergnügliches, ungezwungenes Beisammensein ohne bestimmte Regeln und Programm.
  • Fux Neues Mitglied einer Verbindung. Während der meist zweisemestrigen Fuxenzeit hat das neue Mitglied die Gelegenheit, das Verbindungsleben und die anderen Mitglieder kennenzulernen. Danach wird geburscht. Bei einigen Verbindungen gibt es die Unterscheidung zwischen dem Krassfuxen im 1. Semester und dem Brandfuxen im 2. Semester.
  • Fuxenstall Gemeinschaft der Füxe in einer Verbindung
  • Fuxmajor Bezeichnung für den Burschen, der die Füxe ausbildet. Ist oft auch Chargierter.

I

  • Inaktiver Studierendes Mitglied der Aktivitas einer Studentenverbindung, daß aus studientechnischen Gründen (Hauptprüfung, Diplomarbeit, Praxissemester etc.) oder Wechsel des Studienortes von verschiedenen Verpflichtungen befreit ist.

K

  • Keilen = erste Semester werben. Schon im antiken Athen keilten sich die einzelnen Studienkorporationen vor allem die von auswärts in Piräus ankommenden Neulinge weg und gerieten deswegen oft in eine heftige Keilerei.
  • Kneipe Traditionelle Feier im studentischen Leben, die nach bestimmten Ritualen (Comment) in Vollcouleur mit Gesang, Reden und Zeremonien gestaltet wird. (Chargierte oft mit Voll- oder Halbwichs) Die Kneipe gliedert sich zeitlich in Offizium (feierlicher hochoffizieller Teil), Inoffizium (lockerer, mit Zipfeltausch etc.) und Fidulität im Anschluß an die Kneipe. Räumlich gliedert sie sich in Präsidium, Corona und Fuxenstall. Eine besonders feierliche Variante der Kneipe ist der Kommers. Während der Reden und Zeremonien herrscht Silentium, dazwischen Kolloquium. Außerdem werden studentische Lieder gesungen.
  • Kolloquium (lat.: Gespräch) Kolloquium werden die Abschnitte während einer Kneipe oder eines Kommerses genannt, in denen die Corona sich unterhalten darf. Das Gegenstück zum Kolloquium ist das Silentium.
  • Kommers Traditionelle Feier im studentischen Leben, die nach bestimmten Ritualen (Comment) in Vollcouleur mit Gesang, Reden und Zeremonien gestaltet wird. (Chargierte oft mit Voll- oder Halbwichs) Der Kommers gliedert sich zeitlich in Hochoffizium (feierlicher Teil), Offizium (lockerer) und Fidulität im Anschluß an den Kommers. Während der Reden und Zeremonien herrscht Silentium, dazwischen Kolloquium.
  • Kommersbuch Studentisches Liederbuch
  • Konstante sind öffentliche oder gemietete Versammlungsräume, in denen sich Studenten einer Studentenverbindung treffen.
  • Korporation (lat.: Körperschaft) Studentenverbindung

L

  • Leibbursche, Leibfux In der Regel wählt sich ein Fux einen Burschen, mit dem er besonders gut befreundet ist, der ihn dann in Verbindungsangelegenheiten berät. Hieraus entwickeln sich dann ganze “Bierfamilien”.

M

  • Mütze Studentische Kopfbedeckung in den Farben der Verbindung. Am weitesten verbreitet ist die Schirmmütze in verschiedenen Varianten. Sonderformen sind das mit Zirkel etc. bestickte schirmlose Tönnchen (Biertonne, und besonders reich verziert: das Cerevis, oft Bestandteil des Vollwichses) und der Stürmer, aus der Jakobinermütze entwickelt, bei der sich das hohe, sich verjüngende Oberteil nach vorne auf den Schirm weist.

N

  • nichtschlagend Nichtschlagende Studentenverbindungen sind Verbindungen mit Mensurverbot

O

  • Ortsconvent Der Ortsconvent ist der Zusammenschluss der an einer Hochschule ansäßigen Verbindungen

P

  • Pekesche auch: Flaus, Jacke, Bestandteil des Wichs
  • Präsidium Das leitende Gremium einer Kneipe oder eines Kommerses wird normalerweise von den Chargierten gestellt, kann aber im Laufe der Kneipe gegen Mitglieder der Corona ausgetauscht werden. Dem Präsiden (i.d.R. Senior/Erstchargierter) obliegt die Führung der Kneipe. Oft gibt es noch ein Contrapräsidium, gestellt von Fuxmajor, der den Fuxenstall führt.

S

  •  Salamander Festliche Trinkzeremonie zu bestimmten Anlässen, meist zur Ehrung einer Persönlichkeit.
  •  Senior Bezeichnung für den Erstchargierten
  • Silentium (lat.: Ruhe) Silentium werden Abschnitte während einer Kneipe oder eines Kommerses genannt, in denen die Corona sich nicht unterhalten darf. In diesen Abschnitten werden Reden gehalten, studentische Bräuche zelebriert (Comment) oder es wird gesungen. Das Gegenstück zum Silentium ist das Kolloquium.
  • Stiftungsfest Feier anläßlich des Jahrestages der Gründung einer Verbindung
  • Stoff Bezeichnung für Bier

T

  • Tempus (lat.: Zeit) Pause

V

  • Verbindungshaus In der Regel findet das Verbindungsleben auf dem verbindungseigenen Haus oder der Verbindungsetage statt. Auf vielen Häusern ißt man gemeinsam zu Mittag; abends ist das Haus der Ort für die Verbindungsveranstaltungen. An veranstaltungsfreien Tagen bildet es den Treffpunkt für gesellige Stammtische oder heiße Diskussionsrunden. (siehe auch Verbindungswohnheim)
  • Verbindungs-wohnheim Fast jede Studentenverbindung besitzt auf ihrem Verbindungshaus Zimmer, die von Bundesbrüdern zu erschwinglichen Preisen bewohnt werden können.
  • Vulgo (lat.: beim Volk) Mit v. oder v/o abgekürzt zwischen bürgerlichem Namen und Couleurnamen gesetzt, auch Begriff für Couleurname selbst.

W

  • (Voll)Wichs (abgeleitet von Wichse als Lederputzmittel) Besonderes studentisches Festgewand, daß von den Chargierten bei besonderen Anlässen getragen wird. Weiße Hose und Schläger sind mittelalterliche Symbole des freien Mannes, die Pekesche (polnischer Ursprung) ist Symbol der Gegnerschaft zur französischen Besatzung. Der Vollwichs besteht aus:
    – dem Cerevis, einer reich verzierten Kopfbedeckung oder einem Barrett
    – der Pekesche
    – (bei farbentragenden Verbindungen) dem Band
    – der Schärpe, die ggf. über dem Verbindungsband getragen wird, aus den Vereinsfarben besteht
    – einer weißen Hose
    – schwarzen Schaftstiefeln oder Stulpen (evtl. mit Sporen)
    – weißen Stulpenhandschuhen
    – dem Gehänge, einer Art Gürtel als Befestigung für den Schläger
    – und dem Schläger (falls die Verbindungsfahne mitgeführt wird, trägt der Fahnenträger keinen Schläger)

Z

  • Zipfel Schmuckanhänger aus einem Stück Couleurband und einem Schieber mit Wappen, Zirkel und Widmung. Wird zu verschiedenen Anlässen getauscht, z.B. zwischen Leibbursche und Leibfux, nach Mensuren oder bei besonderen Freundschaften zwischen Korporierten.
  • Zirkel Symbol einer Verbindung. Enthält in der Regel die Anfangsbuchstaben des Verbindungsnamens und des Wunsches “vivat, crescat, floreat!”. Der Zirkel wird hinter die Unterschrift gesetzt und auf Couleurgegenständen verwendet.